Märkische Umfahrt (?)

 

Richtig, es heißt nicht Rundfahrt, wie ursprünglich von uns gedacht, nein Umfahrt. Es ist eine Umrundung der Mark Brandenburg über die Dahme und die Spree, deren Lauf durch zahlreiche Seen führt. So ist diese Paddeltour in keinster Weise langweilig. Gleich nach dem Einstieg in Erkner führt uns die Müggel-Spree durch den Dämeritzsee. Wir biegen hier ab in den naturbelassenen Gosener Graben. Sogleich umschwirrt uns eine, von zuhause wohlbekannte Mückenart. Wir nehmen‘s aber gelassen, genießen die Idylle und erfreuen uns an den gerade aufblühenden See- und Teichrosen und an einem unglaublichen Vogelgezwitscher. Eine kinderreiche Schwanenfamilie lässt uns ungehindert durch.

Am Ende des Gosener Grabens erwartet uns unser Mitglied Michael, der nach einem berufsbedingten Abstecher nach Rheinhessen wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Er kennt hier ringsum alle Gewässer und fährt den ersten Teil der Umfahrt mit uns. Wir kommen über den Seddinsee in den Zeuthener See. Es ist Sonntag und hier herrscht unglaublich viel Betrieb mit Motorbooten und Seglern. Wir müssen aufpassen, auch wenn wir hohe Wellen vom Rhein gewohnt sind, die kleinen, rasch aufeinanderfolgenden Kappelwellen haben es in sich. Aber unsere Boote sind durch Zelt, Schlafsack und sonstiges notwendiges Equipment schwer und liegen gut im Wasser. Am Ende des Sees hält uns die WSP auf, 2 Boote sind nicht ausreichend beschriftet (die anderen haben sie nicht gesehen) und pro Boot müssen 35,00 € gelöhnt werden. Kurz danach verlässt uns Michael und paddelt über den „Großen Zug“ wieder nach Hause. Unser Weg führt weiter auf der Dahme. Wir lassen den Nottekanal links liegen und kommen kurz darauf bei Königs-Wusterhausen an eine Schleuse, die uns hochbefördert, denn wir fahren die Dahme kaum spürbar gegen den Strom. Endziel an diesem Tag ist Prieros. Die Ausstiegsstelle dort ist sehr schwierig und keine Gastwirtschaft in der Nähe. Zum Glück haben wir genügend Proviant dabei. Dafür entschädigen uns ganz neue sanitäre Anlagen, die Dusche wird ausgiebigst genutzt. Weiter geht es am nächsten Tag auf der Dahme. Das Kaskadenwehr in Märkisch-Buchholz bremst uns aus, wir müssen mühsam umtragen. Da wir sowieso aus dem Boot sind, wird Mittag gemacht. Das 2. Wehr, gleich danach ist nicht mehr so anstrengend. Weiter geht es und gegen 17.00 Uhr erreichen wir die Spreeschleuse Leibsch. Hier am Tor zum Spreewald suchen wir uns erst einmal ein Gasthaus und kehren ein, bevor wir nun, nach einer weiteren Schleusung auf der Spree weiterfahren. Eine gute Idee, denn auch auf dem Platz, an dem wir am Abend anlegen, gibt es keinerlei Restauration. Die Platzwartin am Neuendorfer See besorgt uns aber noch zwei große Krüge Bier und die Welt ist wieder in Ordnung.

Nach einer erholsamen Nacht geht es weiter auf der Spree, zweimal werden wir geschleust und ohne nennenswerte Ereignisse erreichen wir den Glower See, wo wir unser Zelt beim Campingverein aufstellen dürfen. Auch hier heißt es wieder Selbstverpflegung. Unserer beiden Gast-Mitfahrer, Peter und Detlef, haben hier ihr Auto stehen, sie verlassen uns. Ihr Versuch, bei einer Pizzeria im nächsten Dorf für uns alle Pizzen zu holen, scheitern. Die Pizzeria existiert nicht mehr, obwohl sie im Internet noch ihre Dienste anpreist, mit Speisekarte und sogar Bringdienst. Nun gut, die Guntersblumer haben ja bekanntlich immer noch eine Flasche Wein im Gepäck und auch so reicht das Mitgebrachte aus.

Wir folgen weiter dem Lauf der Spree durch den Glower See und den sich gleich anschließenden Leißnitz See. Bei Beeskow teilen wir mit mehreren großen Kanadiern eine vollautomatische Schleuse. Die große Schleusenbaustelle beim Wergensee, die uns die Weiterfahrt auf der Drahendorfer Spree verwehrt, zwingt uns, in den Speisekanal Neuhaus zu schleusen. Wir bringen unter großen Mühen unmittelbar nach der Schleusung unsere Boote an Land. Das Tagesziel liegt ca. 1 km entfernt und so werden die Boote auf die Bootswagen verladen und eine Boots-Karawane zieht auf der Landstraße weiter nach Neubrück. Ein sehr schöner gepflegter Wasserwanderrastplatz mit Chemie Toilette erwartet uns. Und ein großes Bier!!! Direkt neben dem Platz ein „Eiscafe“ das auch kleine Speisen anbietet. Also alles was ein Paddler braucht. Wir können die Toilette nutzen und uns auch mit Trinkwasser versorgen.

Der 5. Tag bricht an. Wir paddeln weiter auf der Drahendorfer Spree, eine naturbelassene Strecke, sehr idyllisch bis ja --- bis zum Nadelwehr Drahendorf. Wir müssen umtragen und die Ausstiegsstelle ist nicht wirklich Paddler freundlich. Es steht wohl eine Lore zur Verfügung, die aber sehr schwer zu händeln ist. Die Umtragung kostet uns beinahe eine Stunde und Kurt wird im Boot sitzend auf der Lore und vereinten Kräften aus dem Wasser gezogen und dann wieder zu Wasser gelassen. Wir fahren in die Oder-Spree-Wasserstraße ein und paddeln mit Unterbrechung an der Schleuse Fürstenwalde ca. 15 km auf dem Kanal. Das nächste Wehr beendet wohl die monotone Paddelei, bedeutet aber auch, wieder raus aus dem Boot, umtragen und wieder einsteigen. Die Umtragestelle ist eine Baustelle und wir haben Probleme unsere schweren Bootswagen über Schotter wieder zur Einsatzstelle zu bringen. Wie schon bei der 1. Umtragestelle an diesem Tag sind wir aufeinander angewiesen. Ohne Hilfe geht gar nichts. Die Müggelspree, auf der wir ab jetzt bis zum Ende der Umfahrt paddeln dürfen, belohnt uns. Ein naturbelassenes Ufer, Bäume die sich im Wasser spiegeln, hin und wieder Seerosen, Graureiher und Vogelgezwitscher geben uns wieder Kraft. Die ersten Häuser kündigen unser Ziel Hangelsberg an. Aber ein nahes Ende wird nur vorgegaukelt. Bis wir endlich die Kanustation sehen, windet sich die Müggelspree in unzähligen Schleifen. Als die Ausstiegsstelle in Sicht kommt, hält das Aufatmen nicht lange an. Keine Wiese, kein Steg, keine Rampe, nur eine aufsteigende Schneise mit weißem Sand. Uwe hat Glück im Unglück, er kentert beim Ausstieg, fast alles ist nass, aber der Schlafsack ist noch trocken. Ein Glück, dass die Sonne scheint und alles andere zum Trocknen aufgehängt werden kann. Ein Lichtblick, unser Michael mit seiner Freundin Marion, die wir bei dieser Gelegenheit auch kennen lernen, steht da und hilft uns. Denn ein Einsatz der Bootswagen ist unmöglich und so tragen wir die 10 Boote mit jeweils 4 Mann/Frau hoch zum Zeltplatz. Es ist schon spät und wir sind in einer Gaststätte zum Essen angemeldet. Das Zelte aufbauen muss warten.

Die Müggelspree weiß, dass wir erschöpft sind, und bietet uns einen entspannten letzten Umfahrt-Tag an. Michael, der gestern sein Boot mitgebracht hat, paddelt mit uns. In der Nacht hatte es geregnet, der Himmel war bedeckt und es war recht kühl. So gönnen wir uns eine ausgiebige Mittagspause in der „Jägerbude“. Der Wirt zuerst unfreundlich, weil er ganz alleine ist, ändert dann seine Meinung und bietet uns zwei schnell zu bereitende Speisen an. Bis zu unserem Ausgangspunkt, dem Kanu-Club Erkner, sind es nur noch gut 6 km. Die schaffen wir locker. Michael fährt noch weiter bis zu seiner „Datscha“. Wir bauen unsere Zelte auf (diesmal für 2 Nächte) und machen uns landfein zum Stadtgang in Erkner.

In der Nacht stürmt es kräftig und die Stürme sollen auch am Samstag anhalten. Auf Anraten von Michael, der uns mit seinem Boot schon am frühen Morgen aufsucht, verzichten wir aus Sicherheitsgründen auf die geplante Umrundung des sehr windanfälligen Müggelsees.

Uwe O. hat die gute Idee, stattdessen die Löcknitz zu fahren. Gemeinsam mit Wandersportwart Klaus Anderweit wird die Route mit Hilfe des Flusswanderführers ausgewählt. Der Sturm ist auch zu spüren auf dem Dämmeritzsee, den wir, wie auch den Flakensee auf dem Weg zur Löcknitz streifen. Wir fahren auf der Löcknitz, deren Ufer meist mit zum Teil wunderschönen Wochenendhäusern und sehr gepflegten Gärten gesäumt ist. Fast jedes Grundstück hat natürlich auch einen Wasserparkplatz für das eigene Motorboot. Wir paddeln am Rande des Werlsees in den Peetzsee, den wir dann ganz umrunden und wieder im Werlsee ankommen. Vergeblich suchen wir eine Stelle zum Aussteigen. Mit einem Motorboot hätten wir weniger Probleme. Dann endlich, eine kleine freie Bucht, die wir für ein Picknick nutzen. Das FKK-Schild stört uns nicht, und die ältere Dame, die zu Fuß kommt stört sich nicht an uns, sie zieht sich seelenruhig aus und geht ins Wasser. Eine echte FKK-lerin. Der kleine Umweg durch den naturbelassenen Nebenarm der Löcknitz muss sein. Es geht mitten durch einen Wald, manchmal scheint die Sonne durch die Bäume und auch hier gibt es Stellen, an denen Seerosen wachsen. Reiher bleiben recht lange sitzen, bevor sie sich dann doch auf den nächsten Baum begeben und uns auf diese Weise begleiten.

Heute Abend sind wir bei Michael zum Grillen eingeladen. Auf dem Weg dahin kaufen wir entsprechend Fleisch ein, für Getränke hat Michael gesorgt. Er zeigt uns stolz sein tolles Wochenendhaus in dem er sich, obwohl er auch eine Stadtwohnung besitzt, bevorzugt aufhält. Es ist ein älteres Haus, in das Michael noch viel Arbeit und Energie stecken muss, man kann sich aber schon jetzt darin wohlfühlen. Er hat nur ein paar Meter bis zum Wasser, kann paddeln, wenn er will und vor allem, er kann seine Boote dort lagern.

Ein schöner Abend, eine erlebnisreiche Woche ist zu Ende und wir alle glücklich wieder zu Hause.

 

 

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